Gebäude der Wiener Volksoper © Volksoper Wien, Logo VOF
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In memoriam Professor Rudolf Bibl

Die Volksopernfreunde trauern um einen der ganz Großen der österreichischen Musikszene. Für Jahrzehnte war er Inbegriff der Volksoper, Titan und Ikone am Pult, „Erzengel der Operette“. Am 27. Jänner verstarb Professor Rudolf Bibl im Alter von 88 Jahren in Frontignan (Frankreich). Noch am 1. Jänner 2017 stand der Maestro am Pult der Wiener Volksoper und dirigierte „Die Fledermaus“. Dieser sein 2.273. Volksopernabend sollte sein letzter sein…

Bibl wurde am 4. Mai 1929 in Wien in eine musikalisch vorbelastete Familie hineingeboren: Großvater und Urgroßvater waren k.u.k. Hofkapellmeister und Domorganisten. Schon als Gymnasiast studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien Klavier, Klarinette und Komposition und besuchte die Dirigentenklasse. Zwar wollte er nach der Matura interessanterweise Biologie oder Veterinärmedizin studieren, doch der Dirigent Hans Swarowsky engagierte den jungen Künstler 1948 als Solorepetitor an die Grazer Oper. Von dort ging er 1952 als Kapellmeister nach Innsbruck und wieder nach Graz als Operettenchef. 1960 kehrte Bibl nach Wien zurück und wirkte zuerst am Raimund Theater und dann als Erster Dirigent am Theater an der Wien. Für vier Jahre verschlug es ihn in die schöne Moselstadt Trier. Dort war er von 1969 bis 1973 als Musikdirektor tätig. Mit der Saison 1972/1973 wechselte er an die Wiener Volksoper, deren Ehrenmitglied er schließlich 1991 wurde. Von 1973 bis zu seiner Pensionierung 1989 war „Rudi“ Bibl fest an der Volksoper engagiert – bis zuletzt war es aber ein „Unruhestand“, wurde er doch immer wieder ans Haus geholt. An seinem „Stammhaus“ dirigierte er ein umfassendes Repertoire an Opern, Operetten und Musicals und leitete das Volksopern-Orchester auf zahlreichen Auslandsreisen, so etwa 1989 bei der japanischen Erstaufführung von Johann Strauß’ „Der Zigeunerbaron“ in Tokio.

 Bibls „Herzblut“ galt der Pflege der klassischen Operette und der akribischen Wiederherstellung des Originals verfremdeter Partituren. So trug er maßgeblich dazu bei, Wiener Musik im Ausland bekannt zu machen. Verdient gemacht hat sich der Musiker auch um die Seefestspiele Mörbisch, als deren musikalischer Leiter er seit der Gründung des Symphonie-Orchesters Burgenland 1995 fungierte. Bis 2008 war er in dieser Funktion, wofür er 2013 zum ersten Ehrenmitglied des Sommerfestivals ernannt worden war.

Wie kein zweiter verstand „der Professor“ es, Sänger „auf Händen zu tragen“. Nie glitt er ins Sentimental-Kitschige ab. Sein Dirigat war stets getragen von unglaublichem Rhythmusgefühl, Balance, Ruhe, Eleganz und Leichtigkeit.

Professor Rudolf Bibl stand heuer auf der „Wunschliste“ der Volksopernfreunde für ein umfassendes Künstlerporträt. Nicht nur das Wiener Publikum wird ihn als „Ikone der Operette“ schmerzlich vermissen.

 

          © Barbara Pálffy

 

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